Wie funktioniert eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt eine monatliche Rente, wenn Sie Ihren zuletzt getätigten Beruf, so wie dieser ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, auf Dauer nicht mehr ausüben können. Das bedeutet, eine Leistung aus der BU-Versicherung ist an den letzten Beruf gekoppelt. Ob Sie noch einen anderen Job machen könnten, ist hier nicht wichtig.

Ob ein Unfall oder eine Krankheit der Grund für die Berufsunfähigkeit ist, spielt für die Versicherung keine Rolle. Diese zahlt, wenn Sie nach deren Einschätzung zu mindestens 50 Prozent berufsunfähig sind. Das bedeutet, Sie haben mindestens die Hälfte Ihrer Leistungsfähigkeit verloren und können für Ihren Beruf wichtige Tätigkeiten nicht mehr ausüben oder nur noch eine geringe Anzahl an Stunden arbeiten.
Um das nachzuweisen, müssen Betroffene zahlreiche Unterlagen bei der Versicherung einreichen, darunter Arztberichte und Beschreibungen ihrer Tätigkeit. Wenn die Berufsunfähigkeit feststeht, zahlt der Versicherer die im Vertrag vereinbarte monatliche Rente an den Versicherten. Das zuvor erzielte Einkommen hat dabei keine Bedeutung.

Wer braucht eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die staatliche Absicherung für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können, reicht für den Lebensunterhalt selten aus. Jedem, der in den vergangenen fünf Jahren mindestens 36 Monate in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, steht zwar grundsätzlich eine Erwerbsminderungsrente zu. Diese lag im Jahr 2017 aber durchschnittlich nur bei 716 Euro pro Monat. Das geht aus Statistiken der Deutschen Rentenversicherung hervor.

Wie hoch Ihre Erwerbsminderungsrente nach jetzigem Stand ausfallen würde, sehen Sie in Ihrer jährlichen Renteninformation.
Eine Erwerbsminderungsrente bekommt außerdem nur, wer in einem Beruf nicht länger als drei Stunden arbeiten kann. Ein leitender Angestellter, der noch als Pförtner arbeiten kann, geht also leer aus. Menschen, die noch drei bis sechs Stunden pro Tag in irgendeinem Beruf arbeiten können, wird nur die halbe Erwerbsminderungsrente zugesprochen. 2014 wurde etwa die Hälfte der Anträge auf Erwerbsminderungsrente abgelehnt.

Es ist deshalb notwendig, privat vorzusorgen für den Fall, dass Sie nicht mehr arbeiten können. Darauf verzichten können Sie nur dann, wenn Sie durch vorhandenes Vermögen oder durch Ihre Familie bereits ausreichend versorgt sind, also auf Ihr Arbeitseinkommen nicht angewiesen sind. Die Berufsunfähigkeitsversicherung bietet die umfassendste Möglichkeit zur Absicherung Ihrer Arbeitskraft, ist in vielen Fällen aber auch sehr teuer. Die Kernfrage ist deshalb weniger, ob eine BU-Versicherung sinnvoll ist, sondern eher, ob Sie sich den BU-Schutz leisten können und wollen.

Besonders wichtig ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung für

alle Erwerbstätigen, die nicht auf ihr Einkommen verzichten können;
Selbstständige, da sie oft nicht gesetzlich rentenversichert sind (obwohl in einigen Fällen eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung sinnvoller sein kann); und
Berufsanfänger, weil sich junge Menschen mit guter Gesundheit noch recht günstig versichern können.

Beamte können eine Dienstunfähigkeitsversicherung abschließen

Eher optional ist eine BU hingegen für Beamte nach mehr als 5-jähriger Dienstzeit. Sie erhalten ein Ruhegehalt, das deutlich über dem Niveau der Erwerbsminderungsrente liegt. Falls ihre Lebenshaltungskosten höher sind als ihr Anspruch auf Ruhegehalt, können Beamte zusätzlich eine Dienstunfähigkeitsversicherung abschließen. Berufsanfänger mit weniger als fünf Jahren Dienstzeit haben noch keinen Anspruch auf ein Ruhegehalt.

Wer einen Haushalt führt, bekommt schwer BU-Schutz

Den Abschluss einer BU-Versicherung ebenfalls genau überlegen sollten sich Hausfrauen und -männer. Zwar können Kosten für ein Kindermädchen oder eine Haushaltshilfe entstehen, wenn sie ausfallen. Allerdings sind gute BU-Verträge für Hausfrauen nur schwer zu bekommen, oft teuer und meist nur mit einer sehr niedrigen Rentenhöhe abschließbar. Wer hingegen schon einen BU-Vertrag hat und womöglich irgendwann wieder arbeiten geht, sollte die Berufsunfähigkeitsversicherung möglichst behalten.

Geld sparen ist nur selten eine Alternative

Den Beitrag für eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu sparen und stattdessen regelmäßig Geld für schlechte Zeiten zur Seite zu legen, erscheint zunächst verlockend. Werden Sie nur für kurze Zeit oder erst gegen Ende Ihres Arbeitslebens berufsunfähig, mag das auch funktionieren. Allerdings zahlen Sie auch nicht in die Rentenkasse ein, wenn Sie nicht mehr arbeiten können. Das bedeutet, Sie müssen trotz Berufsunfähigkeit privat vorsorgen, wenn Sie im Alter nicht mit einem sehr niedrigen Einkommen dastehen wollen.

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